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Verschiedene Geburtsarten auf einen Blick

GeburtsartenHält man erst einmal einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand, fängt die Zeit des großen Hibbelns an. Nichts ist schöner als der Gedanke an den wunderbaren Moment, an dem man endlich das zauberhafte Wesen, dessen Wachstum man so viele Monate begleitet hat, liebevoll in seine Arme nehmen darf.
Bis es jedoch so weit ist, sollte man sich als werdende Mutter ausführlich mit den verfügbaren Geburtsarten befassen, um sich darüber klar zu werden, welche Möglichkeiten den persönlichen Wünschen am nächsten kommen.

Klassische Entbindung und Geburtsarten in der Klinik

Seitdem die medizinische Versorgung so weit ausgebaut wurde, dass sogar die Bewohner ländlicher und abgelegener Gegenden in wenigen Minuten ein Krankenhaus erreichen können, hat sich die Geburt in einer Klinik gegenüber der Hausgeburt durchgesetzt und wird heutzutage als Standard angesehen.

Grundsätzlich ist das nicht verkehrt, denn die Entbindung im Krankenhaus bietet einige nicht von der Hand zu weisende Vorteile:

  • hohe Verfügbarkeit an Ärzten
  • es sind ebenfalls ständig Hebammen im Einsatz
  • auftretenden Komplikationen kann schnell entgegen gewirkt werden
  • Medikamente sind sofort zur Hand
  • Im Notfall ist der Weg zum Operationssaal nicht weit
  • es stehen viele Möglichkeiten der Schmerzlinderung zur Verfügung
  • viele Kreißsäle legen heute Wert auf eine angenehme Atmosphäre

Dieses Komplettpaket an guten Gründen und die Tatsache, dass die meisten Frauen im gebärfähigen Alter heutzutage mit dem Gedanken an eine Geburt in der Klinik aufgewachsen sind, führen dazu, dass sich ein Großteil aller werdenden Mütter zu diesem Schritt entscheidet.

Sobald eine Schwangere mit Wehen das Krankenhaus betritt, wird sie in der Regel ohne lange Wartezeit in den Kreißsaal gebeten und durch eine Hebamme untersucht. Meistens umfasst diese Untersuchung ein CTG und das Ertasten des Muttermunds um festzustellen, wie weit sich dieser bereits geöffnet hat. Lautet der Befund, dass die Geburt begonnen hat, wird bei der werdenden Mutter noch ein Zugang gelegt, um bei eventuell auftretenden Komplikationen schnell handeln und im Notfall Medikamente verabreichen zu können.

Sollten keinerlei Probleme aufkommen, die eine vaginale Geburt unmöglich machen, wird die Schwangere dazu ermutigt, auf die verschiedenen Geburtsarten im Kreißsaal zurückzugreifen:

Geburtsart 1: Ab in die Wanne (Wassergeburt)

Eine Wassergeburt gehört mittlerweile zu den Standardprozeduren in einem Kreißsaal, gehört zu den beliebteren Geburtsarten und liefert in vielen Fällen gute Ergebnisse. Die in den Wehen liegende Frau wird entkleidet und darf im warmen Wasser Platz nehmen. Diese angenehme Umgebung hilft den Schwangeren dabei, sich auch während der Wehen zu entspannen und den Schmerz besser ertragen zu können.

WassergeburtDas Kind kann in der Wanne meist ohne viel Hilfe von Außen zur Welt gebracht und anschließend von der Mutter selbst aus dem Wasser gehoben werden.
Der Nachteil an der Geburt in der Wanne ist, dass das Legen einer PDA nicht möglich ist. Sollten die Schmerzen also doch so überwältigend sein, dass sich die werdende Mutter eine Rückenmarksnarkose wünscht, muss sie die Wanne verlassen.

Geburtsart 2: Entbindung im Sitzen (Gebärstuhl/Hocker)

Sollte der Aufenthalt im Wasser unangenehm werden oder die Schwangere eine Geburt in der Wanne von vornherein ablehnen, kann sie auch auf dem Gebärstuhl/Hocker Platz nehmen. Dies ist kein gewöhnlicher Stuhl, denn die Sitzfläche ähnelt eher einem Toilettensitz, da sie über eine Öffnung in der Mitte verfügt.

Die werdende Mutter setzt sich für den Geburtsvorgang breitbeinig auf den Stuhl/Hocker und wird dabei durch ihren Partner von Hinten gestützt. Alternativ kann sie sich an einem von der Decke hängenden Seil festhalten.
Die aufrechte Haltung, welche die Schwangere bei dieser Art der Geburt einnimmt, sorgt dafür, dass die Schwerkraft die Gebärende während der Entbindung unterstützt und den Vorgang erleichtert.

Geburtsart 3: Entbindung im Bett

Einige Frauen werden während der Geburt von den Schmerzen der Wehen so übermannt, dass sie gar nicht daran denken können, aufzustehen. Sie möchten nicht herum laufen, auf einem Gebärstuhl sitzen oder in eine Wanne steigen. Auch das ist vollkommen ok. Diese Frauen können im gemütlichen und meist extra großen Bett im Kreißsaal liegen bleiben und ihr Kind auf diese Weise auf die Welt bringen.

Wenn die Schmerzen an einem Punkt etwas nachlassen, können sie sich jederzeit umdrehen und in den Vierfüßlerstand gehen. Oft lässt sich das Kopfende des Bettes mechanisch anheben, um ihnen bei diesem Vorhaben eine gute Stütze zu sein.

Kaiserschnitt – die Rettung, wenn es brenzlig wird

Sollte es während des Geburtsvorgangs zu einem Stillstand oder anderweitigen Komplikationen kommen, löst sich der Wunsch nach einer vaginalen Geburt meistens leider in Luft auf. Doch im Notfall können die Ärzte darauf keine Rücksicht nehmen, denn im schlimmsten Fall stehen sowohl das Leben der Mutter als auch das des Säuglings auf dem Spiel.

KaiserschnittTritt dieser Fall ein, wird der Mutter sofort ein Wehenblocker verabreicht und ein Operationssaal vorbereitet. Anschließend wird der Entbindenden eine PDA oder eine Spinalanästhesie gesetzt, um den Unterleib der Schwangeren zu betäuben.
Dank dieser Form der Narkose kann sie die Geburt ihres Kindes bei vollem Bewusstsein (aber ohne Schmerzen) und im Beisammensein mit ihrem Partner erleben.
Besteht die Mutter jedoch auf eine Vollnarkose, kann auch diese verabreicht werden. Sollte sich die Schwangere gegen eine PDA oder Spinalanästhesie entscheiden, darf ihr Partner nicht mit in den Operationssaal kommen, sondern muss draußen auf sein Kind warten.

Sobald die Betäubung sitzt wird der Bauch der Schwangeren (heutzutage meist unter Anwendung der sanften Misgav-Ladach-Methode) aufgeschnitten und das Baby auf die Welt geholt. Anschließend wird es kurz den stolzen Eltern gezeigt und dann gesäubert. Die Mutter verlässt den Operationssaal erst später, da das Vernähen der Operationswunde einige Zeit in Anspruch nimmt.

Kaiserschnitt ist nicht gleich Kaiserschnitt

Wird der Kaiserschnitt (wie oben beschrieben) in einem Notfall und bei bereits eingetretenen Wehen durchgeführt, spricht man von einem sekundären Kaiserschnitt.

In einigen Fällen steht jedoch schon lange vor dem Eintreten der Wehen fest, dass das Kind nicht auf natürlichen Wege auf die Welt kommen wird. Gründe dafür können eine falsche Lage oder andere voraussehbare Komplikationen sein. Zuweilen besteht sogar der ausdrückliche Wunsch seitens der werdenden Mutter, mit einem Kaiserschnitt zu entbinden. In diesem Fall spricht man dann von einem primären Kaiserschnitt.

Das Geburtshaus (Eine Initiative der Hebammen)

Für werdende Mütter, denen der Gedanke an einen Aufenthalt im Krankenhaus unangenehm ist, weil sie sich vor der doch etwas sterilen Umgebung fürchten, ist eine Entbindung im Geburtshaus vielleicht eine Alternative.

Geburtshäuser sind außerklinische Einrichtungen und werden ausschließlich von Hebammen betrieben.
Die Atmosphäre in einem Geburtshaus unterscheidet sich deutlich vom hektischen Betrieb im Krankenhaus. Im Mittelpunkt des Interesses steht hier die selbstbestimmte Entbindung, bei der die Hebamme der werdenden Mutter unterstützend zur Seite steht und sie während des gesamten Vorgangs dazu ermutigt, ihrer Kraft und ihrem Körper zu vertrauen.

Sollten sich während des Geburtsvorgangs unvorhergesehene Komplikationen ergeben, ist die Einlieferung in ein Krankenhaus jedoch meist unumgänglich.

Die Hausgeburt (Rückkehr zum traditionellen Modell)

Obwohl manch einer gerne von einem „Trend“ reden würde, sind Hausgeburten nicht im eigentlichen Sinne eine vollkommen neue Idee. Im Grunde genommen sind sie sogar eine Rückkehr zum traditionellen Modell der Entbindung. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein waren Hausgeburten etwas ganz Alltägliches – bis sie durch eine verbesserte flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern langsam aus der Mode kamen.
Da immer mehr Frauen die Geburt in einer Klinik als fremdbestimmt empfinden und Angst davor haben, dass die Ärzte nicht auf die natürlichen Instinkte der werdenden Mütter hören, sondern lieber schnell zum Skalpell greifen, kann mittlerweile ein  Anstieg der Anzahl an Hausgeburten verzeichnet werden.

Für diese Geburtsart spricht, dass sich die werdende Mutter in dieser vertrauten Umgebung völlig fallenlassen und entspannen kann, ohne von unzähligen Maschinen umgeben zu sein.
Hier kann sie sich in eigener Regie und absolut selbstbestimmt auf den körperlichen Vorgang der Geburt konzentrieren, ohne den ständigen Gedanken an einen Kaiserschnitt im Hinterkopf haben zu müssen.
Eine Hausgeburt kann grundsätzlich durch eine Hebamme oder sogar durch ein Team aus Arzt und Hebamme betreut werden, um auftretende Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Einige Mütter entscheiden sich sogar dazu, ihre Hausgeburt gänzlich ohne Betreuung durchzuführen. Dieser Trend ist jedoch mit Vorsicht zu genießen!
Grundsätzlich kann eine Frau eine natürliche Geburt ganz alleine überstehen, doch falls sich Komplikationen einstellen sollten, kann es sein, dass sie sowohl ihr Leben als auch das ihres Kindes damit aufs Spiel setzt.